Blog zu Legasthenie und Dyskalkulie

Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V.

Mit Fünfen und Sechsen auf Du und Du: Eine Mutter berichtet (mail 1)

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Schon wieder 12 Fehler

„Mama, bitte nicht schimpfen.“ Wie ein Häufchen Elend schleicht meine Tochter zur Türe herein. Das Diktatheft trägt sie an die Brust gepresst. „Komm her, wird schon nicht so wild sein“, versuche ich sie zu trösten. Sie rennt auf mich zu, fliegt mir um den Hals, das Heft segelt zu Boden und ich lass es erst mal liegen und halte meine weinende Siebenjährige im Arm.

Mein Mädchen ist die Mittlere von dreien. Dass bei drei Kindern statistisch gesehen eins in der Schule Probleme bekommt,  damit rechnen Eltern ja schon ein wenig. Und dass ein Fünfer kein Beinbruch ist und dass das Leben aus mehr besteht als nur aus den doofen Noten, ist uns wohl bekannt.

Aber die Siebenjährige, die heulend in meinen Armen liegt, leidet trotzdem. „12 Fehler, ich weiß gar nicht, warum“, schnieft sie.

„War eben nicht dein Tag“, tröste ich, „kommt vor.“ Kam dieses Jahr halt schon viermal vor. Aber vielleicht braucht sie einfach mehr Zeit als die große Schwester. Vielleicht kommt jetzt bald ein Reifeschub . . . wird schon werden.

„Komm, wir essen was Gutes und dann machen wir Hausis und üben noch ein wenig“, lenke ich mein Kind ab.

Jeden Tag lesen wir ein bisschen, sie einige Zeilen, ich einige Zeilen. Am Wochenende schreiben wir uns Liebesbriefe, ihr „Mama ich lide bich“ hängt über meinem Schreibtisch.

Meiner Meinung nach liest sie auch schon viel flüssiger als noch vor ein paar Wochen. Aber jetzt die 12 Fehler in 5 Sätzen Diktat, alles voller Rotstift und dazu den Kommentar der Lehrerin, „üben, üben, üben“, die hätte es nicht gebraucht.

Ich schreibe einen Zettel an die Klassenlehrerin: „Wann darf ich in Ihre Sprechstunde kommen?“

P.M. Augsburg

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