Blog zu Legasthenie und Dyskalkulie

Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V.

Mit Fünfen und Sechsen auf Du und Du: Eine Mutter berichtet (mail 2)

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Alles nicht so rosig

„Ihre Tochter zählt zu den Schwächsten der Klasse, obwohl ich sie regelmäßig mit der Förder-Lehrerin in kleinen Gruppen üben lasse.“ Die Lehrerin bestätigt, was ich befürchtet hatte. In Noten umgerechnet, steht mein Mädchen in Deutsch zwischen Vier und Fünf. In Mathe auf einer Drei, in Sport und Kunst ist sie sogar richtig gut.

Unkonzentriert wirke die Kleine, meint die Lehrerin. „Hat sie eigentlich Angst vor der Schule, schläft sie schlecht, weint sie viel?“ – „Mitnichten!“, rufe ich. Wenn eins meiner Kinder eine gute Schläferin ist, dann dieses. Auch sonst ist meine Mittlere ein Sonnenschein: Sie tanzt herum, liebt Pferde, singt, malt, bastelt gern. Will einen Job mit Kindern oder Tieren lernen und den Papa heiraten. Mein Mädchen ist selten krank, selten mies gelaunt, und sie mag ihre Lehrerin und die Klassenkameraden „außer zwei doofen Jungs.“

„Es gibt ja auch Schulen, bei denen die Kinder nicht solchen Druck haben . . .“, deutet die Lehrerin an.

„Sie meinen Privatschulen? Montessori, Waldorf . . .“

„Oder eine Förderschule.“ Bumms. Jetzt zieht es mir doch den Boden unter den Füßen weg. Förderschule! Womöglich kein Abschluss! Bevor ich das Horrorszenario weiterspinnen kann, sagt die Lehrerin sanft: „Es könnte aber auch sein, dass Ihr Kind eine Lese-Rechtschreib-Störung hat. Eine Legasthenie. Haben Sie davon schon gehört?“

„Jaja“. Wenn schlaue Menschen mit dem Lesen und Schreiben kämpfen. Sogar Agatha Christie und John Irving, die ich so gern lese, sollen Legastheniker sein. Aber erbt man sowas nicht? Ich hatte in Deutsch meistens Einsen. Hmmm . . .

Wenn es für Sie in Ordnung ist“, unterbricht die Lehrerin meine Gedanken, „könnte ich einen Test veranlassen. Und Sie könnten auf jeden Fall darüber nachdenken, Ihr Kind freiwillig die zweite Klasse wiederholen zu lassen.“

Das muss ich erst mal sacken lassen. Wie ein Häufchen Elend schleiche ich mich nach Hause.

P.M. Augsburg

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