Blog zu Legasthenie und Dyskalkulie

Arbeitskreis Legasthenie Bayern e.V.

Legasthenie

No Comments »

Was ist Legasthenie / Lese-Rechtschreib-Schwäche?

AKL - Legasthenie

Was ist Legasthenie?

Unter Legasthenie, auch als Lese-Rechtschreibstörung bezeichnet, versteht man eine schwere Beeinträchtigung beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Lese-Rechtschreibstörung als Erkrankung.

Obwohl ein Kind normal beschult wird, in gesellschaftstypischen Familien­verhältnissen lebt und durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent ist, fällt es ihm extrem schwer, das Lesen und/oder Schreiben zu lernen. Da das Kind nur in diesem einen eng umgrenzten Bereich eine Lernstörung hat, spricht man auch von einer Teilleistungsstörung.

Häufig haben legasthene Kinder hohe Begabungen in anderen Bereichen, wie etwa im technischen, mathematischen, sozialen, sportlichen, handwerklichen oder musischen …

Es gibt Kinder, die nur beim Lesen oder nur beim Schreiben Probleme haben, meist tritt die Störung jedoch kombiniert als Lese-Rechtschreibstörung auf. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind ca. 3 bis 5 Prozent aller Kinder betroffen, Jungen häufiger als Mädchen. In Deutschland sind das aktuell fast 200 000 Grundschulkinder!

Die Kinder leiden meist sehr unter ihren Misserfolgserlebnissen, so dass sehr häufig Folgeprobleme auftreten.

Man unterscheidet die Legasthenie oder Lese-Rechtschreibstörung von der Lese-Rechtschreibschwäche, die eher vorübergehend auftritt und erkennbare Gründe z.B. Unterrichtsausfall hat.

Wie zeigt sich Legasthenie?

Legasthenie kann sich ganz unterschiedlich in den Bereichen des Lesens und Schreibens äußern. Es gibt nicht  d i e  Legasthenie. Die Probleme sind individuell sehr unterschiedlich. So können sich z.B. einige oder viele der folgenden Auffälligkeiten zeigen:

Beispiele für typische Rechtschreibschwierigkeiten:

  • Hörbare Buchstaben oder Wortteile fehlen z.B. Mus statt Maus,
  • z.T. bestehen nur noch Wortruinen z.B. Leichenleg statt Leichtathletik
  • Wahrnehmungsfehler z.B. d/t, g/k
  • Buchstaben werden zusätzlich eingefügt z.B. Artzt
  • Buchstaben werden verdreht: b-d, p-q, oder gekippt: u-n
  • Reihenfolgefehler „dei“ statt „die“
  • Dehnungen und Doppelungen misslingen
  • Fehler bei Groß- und Kleinschreibung
  • Fehlerinkonsistenz (das gleiche Wort unterschiedlich falsch oder auch mal richtig geschrieben)
  • Die Handschrift kann verkrampft oder unleserlich sein

Beispiele für typische Leseschwierigkeiten:

  • Langsames, unsicheres, stockendes Lesen
  • Auslassen, Ersetzen oder Hinzufügen von Wörtern
  • Gelesenes wird nicht verstanden, kann nicht wiedergegeben werden
  • Schnelle Ermüdung beim Lesen
  • Startschwierigkeiten beim Vorlesen, Zögern
  • Verlieren der Zeile beim Lesen

Folgeprobleme:

Weil Lesen und Schreiben Grundvoraussetzungen auch für andere Schulfächer sind, dehnen sich die Schwierigkeiten häufig auch auf andere Fächer aus.

Zu Unrecht werden legasthene Kinder daher manchmal als dumm oder faul bezeichnet.

Auch die Hausaufgabensituation ist beeinträchtigt. Trotz aller Mühe, viel Ausdauer und schier endlosen Wiederholungen sind die Lernfortschritte typischerweise gering. Dies kann zu Ärger und Spannungen zwischen Eltern und Kind führen, was wiederum das Lernen erschwert. Ein Teufelskreis ist entstanden.

Bleibt Legasthenie unerkannt und unbehandelt, können sich schwerwiegende Folgeerscheinungen zeigen, wie z.B.

emotionaler Art:

Selbstwertverlust, Traurigkeit, Ängste, Versagensgefühle

•   körperlicher Art:

Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit

•   schulischer Art:

Konzentrationsprobleme, generelles Leistungsversagen

•   Verhaltensauffälligkeiten:

Aggressionen, sozialer Rückzug, Clownereien

Ursachen

Die Ursachen von Legasthenie sind noch immer nicht eindeutig erforscht. Die neurobiologisch ausgerichtete Forschung geht von einer Störung der Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn aus. Erbfaktoren spielen eine Rolle. Man vermutet, dass ein Komplex verschiedener Faktoren ursächlich ist.

Ganz wichtig: Niemand hat Schuld! Weder hat das Kind Fehler beim Lernen gemacht, noch haben Eltern Fehler in der Erziehung oder Lehrer im Unterricht etwas falsch gemacht.

Leave a Reply

*